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Die kurze Antwort: 150–200 Bestellungen pro Monat
Faustregel
Bestellungen pro Monat, ab denen professionelles Fulfillment für die meisten Shops günstiger wird — wenn man alle Kosten der Eigenlogistik ehrlich einrechnet.
Diese Zahl kursiert in jedem Forum-Thread — und sie stimmt, wenn man sie richtig versteht. Sie ist kein absoluter Schwellenwert, sondern der Punkt, ab dem die Waage für die meisten Shops kippt. Warum kippt sie genau dort?
Unter 100 Paketen pro Monat ist der fixe Aufwand beim Fulfillment-Dienstleister (Onboarding-Gebühren, Mindestmonatsumsätze, Lagerkosten für wenige Paletten) prozentual so hoch, dass die Eigenlogistik fast immer günstiger bleibt. Zwischen 100 und 200 Paketen kommt es stark auf drei Variablen an, die wir gleich durchrechnen. Ab 200 Paketen überwiegen fast immer die Vorteile des Outsourcings — vor allem wenn man die eigene Zeit ehrlich bewertet.
Wichtig: "günstiger" ist nicht der einzige Grund. Viele Shopbetreiber steigen schon früher um, weil die Qualität der Eigenlogistik leidet: Packen nach Feierabend, kein Urlaub mehr ohne Notfallplan, steigende Fehlerquote bei wachsendem Volumen.
Die Break-Even-Rechnung in der Praxis
Die folgende Tabelle vergleicht die typischen Gesamtkosten für Eigenlogistik und professionelles Fulfillment bei verschiedenen Bestellvolumina. Annahmen: mittlere Paketgröße (1–5 kg), 15 % Retourenquote, 5 Europaletten Lager.
| Bestellungen / Mo. | Eigenlogistik (geschätzt) | Fulfillment (geschätzt, Handling + Versand) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| 50 Pakete | ca. 350 € | ca. 530 € | Eigenlogistik günstiger |
| 100 Pakete | ca. 640 € | ca. 710 € | Grauzone |
| 200 Pakete | ca. 1.180 € | ca. 980 € | Fulfillment günstiger |
| 500 Pakete | ca. 2.650 € | ca. 1.820 € | Fulfillment deutlich günstiger |
| 1.000 Pakete | ca. 5.200 € | ca. 3.100 € | Fulfillment klar günstiger |
Alle Preisangaben unabhängig recherchiert, Stand 2026. Handling-Gebühren zzgl. Versandkosten (DHL, DPD etc.).
Die Eigenlogistik-Kosten beinhalten: anteilige Lagermiete, Verpackungsmaterial, DHL-Einzelpreise (ohne Mengenrabatt), Retourenbearbeitung und — das ist der entscheidende Punkt — eine moderate Bewertung der eigenen Arbeitszeit mit 25 €/Stunde. Lässt man die eigene Zeit weg, verschiebt sich der Break-Even auf ca. 300–400 Pakete. Rechnet man sie ein (und das sollte jeder Unternehmer tun), liegt er bei 150–200.
Deine Zahlen in den Rechner eingeben
Die Tabelle oben basiert auf Durchschnittswerten. Dein tatsächlicher Break-Even hängt von deiner Paketgröße, Retourenquote und Lagerplatzbedarf ab. Der Kostenrechner gibt dir eine Schätzung in 30 Sekunden.
Kostenrechner öffnen →Was Eigenlogistik wirklich kostet — die oft vergessenen Posten
Der häufigste Fehler bei dieser Rechnung: Shopbetreiber zählen nur die direkten Versandkosten und vergessen alles andere. Hier sind die vier Kostenblöcke, die du in deiner Eigenlogistik-Kalkulation nicht vergessen solltest:
1. Lagermiete (anteilig)
Ob du eine eigene Lagerhalle mietest oder Platz in deiner Wohnung, Garage oder Büro nutzt — Raum kostet Geld. Bei einer Gewerbefläche von z. B. 50 m² zu 8 €/m² sind das 400 € Miete pro Monat. Wenn 30 m² davon für dein Lager genutzt werden, sind das 240 € anteilige Lagerkosten. Die meisten Shops rechnen das nicht mit ein, weil "ich die Fläche sowieso habe". Doch jede Fläche, die für Lagerung genutzt wird, ist eine Fläche, die nicht für etwas anderes genutzt werden kann — das ist ein echter Opportunitätskostenfaktor.
2. Verpackungsmaterial
Kartons, Luftpolsterfolie, Papierpolster, Klebeband, Etiketten: Je nach Produktgröße summieren sich die reinen Materialkosten auf 0,40–0,90 € pro Paket. Bei 200 Paketen/Monat sind das 80–180 € monatlich nur für Material. Fulfillment-Dienstleister kaufen auf großen Mengen ein und geben diese Preisvorteile teilweise weiter.
3. Versandkosten ohne Mengenrabatt
DHL Päckchen M kostet als Einzelkunde 4,79 €. Professionelle Fulfillment-Dienstleister zahlen durch ihre Volumenverträge häufig 2,80–3,50 € für das gleiche Paket. Bei 200 Paketen/Monat ist das eine Differenz von bis zu 400 € pro Monat allein beim Porto — ein oft unterschätzter Hebel.
4. Deine Arbeitszeit
Das ist der Posten, der am meisten unterschätzt wird. Ein Paket zu packen, zu etikettieren und zum Versandpunkt zu bringen dauert realistisch 8–15 Minuten. Bei 200 Paketen/Monat sind das 26–50 Stunden pro Monat — fast eine ganze zusätzliche Arbeitswoche. Zeit, die du nicht für Marketing, Produktentwicklung oder einfach für dich selbst nutzt. Bewertest du diese Zeit mit nur 20 €/Stunde, sind das 520–1.000 € monatliche Opportunitätskosten.
5 Zeichen, dass du für Fulfillment bereit bist
Zahlen sind das eine. Aber manchmal zeigt die eigene Situation klarer als jede Tabelle, dass es Zeit ist. Hier sind fünf Anzeichen, die Shopbetreiber im Rückblick fast immer nennen:
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Genauso wichtig wie zu wissen, wann Fulfillment sinnvoll ist: zu wissen, wann es das noch nicht ist. Hier gibt es keine Schönrederei.
- Unter 80 Bestellungen pro Monat ohne konkreten Wachstumsplan. Die Fixkosten bei den meisten Anbietern (Onboarding, Mindestlagergebühr, Mindestpaketzahl) machen es unterhalb dieses Volumens schwer, profitabel zu bleiben. Ausnahme: Du hast sehr hochwertige Produkte mit entsprechend hoher Marge.
- Stark individualisierte oder handgefertigte Produkte. Wenn jede Bestellung eine manuelle Personalisierung nach dem Bestelleingang erfordert, ist klassisches Fulfillment nicht geeignet. Manche Dienstleister bieten Kitting-Services an — aber das muss vorab klar besprochen werden.
- Extrem hohe Retourenquote mit aufwändiger Prüfung (über 40 %). Retourenbearbeitung (Handling) kostet beim Dienstleister 2,90–5,20 € pro Stück (zzgl. etwaiger Versandkosten). Bei Mode-Shops mit 35–45 % Retourenquote ist das ein erheblicher Kostenfaktor. Hier lohnt es sich, vorher einen detaillierten Vergleich zu machen.
- Rein saisonales Geschäft mit langen Leerstandsphasen. Wenn du 9 Monate im Jahr kaum Bestellungen hast und 3 Monate Hochsaison, können die Lagerkosten in den ruhigen Monaten das Gesamtbild erheblich verzerren. Flexible Lagerpreismodelle (Abrechnung pro tatsächlich belegtem Platz) helfen hier, sind aber nicht bei allen Anbietern Standard.
Häufige Fragen
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